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Die europäischen Staaten unterstützen mit zahlreichen Subventionen und Anreizprogrammen die Industrie und Forschung im Bereich der Elektromobilität. Aber auch die Endkunden sollen mit verschiedenen Vergünstigungen vom Kauf eines Elektroautos überzeugt werden. Durchschnittliche Mehrkosten von 10.000 € gegenüber vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren machen E-Autos zu einer kostspieligen Angelegenheit.

Wie sieht die Förderpraxis in Europa aus? Die nachfolgende Übersicht wirft einen kleinen Blick auf einige ausgewählte Länder.

Kaufprämien, Steuervergünstigungen, Alltagserleichterungen: Die Förderpraxis in Europa

Frankreichs Industrieminister erklärte erst kürzlich, die bestehende Kaufprämie von 5.000 € für Elektroautos über das Jahr 2012 hinaus zu verlängern – vor allem wohl, um die heimische Automobilindustrie zu stärken. Der französische Staat ist es auch, der mit riesigen Sammelbestellungen von Elektroautos in die automobile Zukunft startet.

Spanien lockt Interessierte ebenfalls mit einer hohen Kaufprämie: Mit bis zu 6.000 € wird der Neuerwerb eines Elektroautos bezuschusst. Elektrisch betriebene Busse und Transporter dürfen sogar mit Prämien von bis zu 30.000 € rechnen.

Großbritannien bezahlt pauschal eine Prämie von 5.000 Pfund (knapp 6.000 €) an die Käufer Elektroautos, die auf der staatlichen Förderliste stehen – denn nicht alle E-Autos werden bezuschusst, Käufer des Tesla Roadsters bspw. gehen leer aus.

Norwegen zahlt keine Kaufprämien, gewährt aber zahlreiche Vergünstigungen, die die Preise teils erheblich senken: Sowohl die Mehrwertsteuer als auch die Neuwagensteuer entfallen bei dem Kauf eines E-Autos. Darüber hinaus sind die Fahrer von Maut- und Parkplatzgebühren (zumindest bei öffentlichen Parkplätzen) befreit und können mit ihren Autos die Busspuren nutzen.

Dänemark verfolgt eine ähnliche Strategie: Hier entfällt die Mehrwert- und Zulassungssteuer, Elektroautos dürfen in Kopenhagens Innenstadt kostenlos parken. Die Steuerersparnisse sind allerdings üppig: Laut einer internationalen Studie des Marktbeobachters Jato Dynamics können je nach Fahrzeug über 20.000 € eingespart werden!

Auch in den Niederlanden setzen sich die Kaufanreize aus Steuervergünstigungen – sowohl die KFZ-Steuer wie auch die Luxussteuer entfallen - und einem bevorzugten Zugang zu Parkplätzen zusammen.

In Österreich sparen sich Käufer von Elektroautos die für Neuwagen fällige, verbrauchsabhängige  Normverbrauchsabgabe sowie die KFZ- und Versicherungssteuer. Zudem fördern einige Bundesländer und Kommunen eine Neuanschaffung in teilweise erheblichem Ausmaß.

Auch Belgien hat lukrative Anreize geschaffen: 30% des Neuwagenpreises (maximal 9.000 €) können von der Steuer abgesetzt werden. In der französischsprachigen Wallonie erhalten E-Auto-Käufer noch bis Ende 2012 eine zusätzliche Prämie von 4.500 €.

Italien sieht eine Kaufprämie in Höhe von 3.500 € sowie Steuererleichterungen vor: Käufer sind fünf Jahre von der Haltersteuer befreit und müssen danach nur einen verminderten Satz entrichten.

Die Situation in der Schweiz ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich, Kaufprämien gibt es allerdings nicht. Die Vergünstigungen reichen von einer Reduktion der KFZ-Steuer bis hin zu einem  kompletten Erlaß, wie z.B. im Kanton Zürich.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Eine Kaufprämie für den Neuerwerb eines Elektrofahrzeugs lehnt die Regierung noch ab – auch wenn die Rufe aus der Industrie und der Opposition lauter werden. Steuerliche Vorteile sollen Privatkunden locken: Aktuell werden E-Auto-Käufer für 10 Jahre von der KFZ-Steuer befreit, eine im europäischen Vergleich allerdings geringe Vergünstigung, lassen sich somit über den gesamten Zeitraum nur wenige hundert Euro sparen. Doch die steuerliche Vergünstigung gilt nicht für Dienstwagen, deren Nutzer durch die 1%-Regel steuerlich benachteiligt werden aufgrund des vergleichsweise hohen Verkaufspreises von Elektroautos.

Weitere spürbare Vergünstigungen werden diskutiert, bspw. die bevorrechtigte Nutzung bestimmter kostenloser Parkplätze in den deutschen Innenstädten oder die Freigabe von Busspuren für Elektromobile.

Während die deutsche Automobilindustrie die Politik auf die Einführung von Kaufprämien für Elektroautos drängt, sehen Marktbeobachter die Erfolgsaussichten für diese Art von Subventionen skeptisch: Nach der schon zitierten Jato-Studie haben die hohen Kaufprämien in einigen europäischen Ländern keineswegs zu einem erhöhten Absatz von Elektrofahrzeugen geführt – auch nicht im Vergleich zu Deutschland.  Vielmehr seien weitere Faktoren zu berücksichtigen, die die Attarktivität von E-Autos von Land zu Land erhöhten.

Eine wichtige Rolle spielen die kommunalen Energieversorger: Zahlreiche Stadtwerke haben eigene Förderprogramme aufgelegt und bezuschussen auch den Kauf von Elektrofahrzeugen – in NRW bspw. die Stadtwerke Schwerte und Lüdenscheid mit 1.000 €, die Stadtwerke Werl mit 1.500 €. Die Stadtwerke Bonn fördern E-Autos mit 500 € - sofern die Halter im Gegenzug den Naturstromtarif der SWB beziehen sowie einen Aufkleber am Heck des Fahrzeuges anbringen.

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