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Stefan Pagenkopf-Martin ist optimistisch, dass die Elektromobilitätsbranche die aktuelle Krise meistert.
Parkstrom

Stefan Pagenkopf-Martin ist optimistisch, dass die Elektromobilitätsbranche die aktuelle Krise meistert.

- Interview mit Stefan Pagenkopf-Martin, Geschäftsführer des Berliner Ladedienstleisters Parkstrom, zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den Ladeinfrastruktur-Markt -

Die Corona-Pandemie wirkt sich nicht nur massiv auf den Einzelhandel und die Gastronomie aus, auch die Automobilwirtschaft und die Elektromobilität stehen vor großen Herausforderungen. Gerät jetzt der Ausbau der Ladeinfrastruktur ins Stocken? Wir haben dazu ein Gespräch mit Stefan Pagenkopf-Martin, einem der Geschäftsführer des Ladedienstleisters Parkstrom, geführt.

emobilitaet.online: Die Menschen sind angehalten, wenn möglich zu Hause zu bleiben. Wird jetzt weniger Strom getankt als vorher?

Stefan Pagenkopf-Martin: Ja, davon ist auszugehen. Schließlich sind viele ins Homeoffice umgezogen und alle sind angehalten, nur die nötigsten Fahrten zu unternehmen. Ladeinfrastruktur im öffentlichen, aber auch im privaten und halböffentlichen Raum wird derzeit nicht im üblichen Maße ausgelastet. Konkret sehen wir ca. 30 % weniger Ladesessions, andere CPO´s haben ähnliche Rückgänge.

Die Corona-Krise ist zugleich auch eine Wirtschaftskrise. Sind Sie als Ladedienstleister auch betroffen? Geht die Nachfrage nach Ladestationen zurück?

Die aktuelle Corona-Krise bringt viele Unternehmen in Schwierigkeiten, bedeutet Unsicherheit. Da werden geplante Projekte und Investitionen eventuell zurückgestellt bis die Situation klarer wird. Das ist absolut nachvollziehbar. Wir können das noch auffangen, weil wir den Vorteil haben, noch nicht so groß zu sein. Damit sind auch die Kosten noch nicht so hoch. Wir sind zudem lange am Markt, breit aufgestellt, haben eine gute Kundenbasis und verschiedene Projekte in Planung sowie Umsetzung. Wir bleiben optimistisch, auch weil wir wissen, dass die Elektrifizierung der Mobilität ein unumkehrbarer Prozess ist und Ladestationen sowie Ladedienstleistungen ein Kernbestandteil dessen sind. Das belegen auch die aktuellen Zahlen. Allein im letzten Jahr wurden z.B. in Berlin 70% mehr Elektrofahrzeuge zugelassen und für diese muss Ladeinfrastruktur geschaffen werden. 

Die Corona-Krise ist für viele Unternehmen eine große Herausforderung, gleichzeitig gibt es derzeit eine Debatte über unternehmerische Verantwortung. Wie sehen Sie das?

Die Krise trifft uns alle und jetzt kommt es darauf an, zusammenzuhalten, gemeinsam den Alltag zu gestalten, Lösungen zu suchen und umzusetzen. Jeder kann und muss im Rahmen seiner Möglichkeiten, einen Beitrag leisten. Wir sehen es zum Beispiel als unsere Verpflichtung an, Absprachen einzuhalten und Projekte auch unter erschwerten Bedingungen genauso professionell wie immer abzuschließen und Jobs zu sichern. Uns ist es wichtig, in allen Belangen unserer unternehmerischen Verantwortung nachzukommen, um die Auswirkungen der Krise für alle soweit wie möglich zu reduzieren. Konkret heißt das zum Beispiel, dass wir nie im Traum darauf kommen würden, die Miete für unser Büro nicht voll zu zahlen oder die Verträge mit unseren Dienstleistern nicht zu erfüllen. Was da von großen Shop-Betreibern kommuniziert wurde, ist absurd, sowas verhandelt man im direkten Gespräch mit den Gläubigern, wenn die Liquidität wirklich nicht mehr da ist. Eine Kommunikation über die Presse ist, entschuldigen Sie bitte die Ausdrucksweise, eine Frechheit. Diese Unternehmen werde ich persönlich nicht mehr unterstützen, die haben jetzt ihr eigenes „Brent Spar“. Man kann eine Krise durchaus auch als Chance begreifen. Alles eine Frage der Einstellung. Das sehen wir bei einem unserer Kunden, einem großen Player, der aktuell auch von Ladenschließungen betroffen ist. Das Projekt Ladeinfrastruktur wird weiter wie geplant umgesetzt und die Zeit der Schließung genutzt, um die Läden neu zu gestalten. Sozusagen „schön“ machen für die Zeit nach der Krise. Eine tolle Einstellung. Auch so kann es gehen. 

Wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um und welche Herausforderungen sehen Sie auf die Branche zukommen?

Wir arbeiten weiter! Wir sind in ständigem Kontakt mit unseren Kunden und Interessenten und suchen und finden Wege, auch während der Krise zu agieren und Projekte umzusetzen, natürlich unter absoluter Wahrung der aktuell geltenden Vorschriften und Empfehlungen. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Partner genießt dabei oberste Priorität. Natürlich hat sich auch unser Alltag verändert und wir haben unsere Prozesse und Strukturen angepasst. Wir arbeiten derzeit im Homeoffice, abwechselnd sind zwei Kollegen in unterschiedlichen Räumen, mit strikter Einhaltung des Abstands im Büro, um Post, Lieferungen usw. anzunehmen und zu bearbeiten. Aktuell profitieren wir sehr von unserem voll cloud-basiertem System. Wir können alle unsere Dienstleistungen und Services anbieten und problemlos weiterarbeiten, auch wenn es gewöhnungsbedürftig ist, die Kollegen ausschließlich online zu treffen. Wenn man es positiv betrachten möchte, ist dies die Zeit, all die Projekte umzusetzen, die im laufenden Betrieb häufig zu kurz kommen.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie die Krise meistern?

Wie schon gesagt, wir gehen davon aus, dass wir gut durch die Krise kommen werden. Wir informieren unsere Kunden und Partner regelmäßig und stehen mit ihnen im guten Kontakt. Unsere wichtigste Botschaft dabei: Wir sind voll handlungsfähig und wie gewohnt für unsere Kunden da. Außerdem arbeiten wir an neuen Formaten. Meetings ersetzen wir durch Videokonferenzen. Statt Infoveranstaltungen können Interessenten und potentielle Kunden demnächst an Webinaren teilnehmen, um alles rund und das Thema Ladeinfrastruktur zu erfahren. Während die Welt voll in der Corona-Krise feststeckt, arbeiten wir weiter an den Themen, die uns bewegen. Auch wenn derzeit Corona unser Leben und die Berichterstattung dominiert, der zerstörerische Klimawandel ist immer noch da und leider ist es hier schon zehn nach zwölf. Das darf man bei allem nicht vergessen. Ich sehe es als unsere größte gesamtgesellschaftliche Aufgabe an, diesem mit nachhaltigen Maßnahmen entgegenzuwirken. Dafür stehe ich jeden Tag auf und versuche eine Veränderung herbeizuführen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen zu Parkstrom finden Sie hier.

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