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Bild von S. Hermann & F. Richter
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- Sonderveröffentlichung -

Elektroautos sind konstruktionsbedingt bedeutend wartungsärmer als Benzin- oder Dieselfahrzeuge.

Wechsel von Zahnriemen, Ölfilter oder Zündkerzenwechsel? Alles kein Thema bei Stromern. Einige sicherheitsrelevante Komponenten müssen dennoch regelmäßig überprüft werden, insbesondere bei höheren Laufleistungen. Einen Check des Bremssystems können Sie bspw. auch selbst vornehmen.

Wie kontrolliere ich den Zustand der Bremsen beim Elektroauto?

Eine Besonderheit moderner Elektroautos ist die Rekuperationstechnologie, die die Rückgewinnung der Bremsenergie ermöglicht. Das ist nicht nur praktisch und effizient, es schont auch die Bremsen, sodass die Bremsbeläge und Bremsscheiben nicht so oft gewechselt werden müssen. Dennoch handelt es sich um Verschleißteile, deren Funktionstüchtigkeit im Interesse der Verkehrssicherheit regelmäßig überprüft werden muss.

Bei einigen E-Fahrzeugen mit niedriger Laufleistung kann es zudem durch die stärkere Nutzung der Motorbremse dazu führen, dass die Bremsscheiben schneller Rost ansetzen. Ob die Bremsscheibe rostet, kann mit einer einfachen Sichtkontrolle herausgefunden werden.

I. d. R. nicht sofort ersichtlich ist dagegen der Zustand der Bremsbeläge. Aber hier kann man sich mit einer Faustregel behelfen:

  • Vordere Bremsbeläge sollten nach 25.000 – 30.000 Kilometern gewechselt werden, da sie die Hauptlast beim Abbremsen des Fahrzeugs tragen.
  • Hintere Bremsbeläge haben meist eine Lebensdauer von 30.000 – 40.000 Kilometer.

Diese Angaben sind Durchschnittswerte und dienen der Orientierung. Der tatsächliche Zustand der Bremsbeläge des Elektroautos hängt von der individuellen Fahrweise ab. Bei modernen Fahrzeugen informiert i. d. R. ein Verschleißsensor darüber, wenn die Bremsbeläge zu abgefahren sind. Normalerweise sollte eine Dicke von 5 mm nicht unterschritten werden.

Konkrete Angaben dazu findet man im jeweiligen Fahrzeughandbuch. Neben dem Verschleiß der Beläge können auch Verschmutzungen oder Beschädigungen dazu führen, dass ein Austausch unumgänglich ist – ungewöhnliche Geräusche oder Vibrationen beim Bremsvorgang können ein Hinweis darauf sein. Um Einbaufehler zu vermeiden, sollte der Austausch der Bremsbeläge in einer Fachwerkstatt vorgenommen werden.

Regelmäßig Bremsflüssigkeit wechseln, um Verwässerung vorzubeugen

Die Bremsflüssigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Bremssystem. Sie ist dafür zuständig, die auf die Bremspedale ausgeübte Kraft auf die Reifen zu übertragen. Um diese Aufgabe optimal auszuführen, muss die Bremsflüssigkeit eine bestimmte Viskosität sowie einen bestimmten Siedepunkt aufweisen. Bremsflüssigkeit hat hygroskopische Eigenschaften, was bedeutet, dass sie Feuchtigkeit aus ihrer Umgebung aufnimmt.

Dadurch steigt der Wassergehalt der Bremsflüssigkeit mit der Zeit. Ab einem Wasseranteil von 3 – 3,5 Prozent fällt der Siedepunkt in einen kritischen Bereich, dann ist der sogenannte Nasssiedepunkt erreicht (den Siedepunkt neuer, ungebrauchter Bremsflüssigkeit bezeichnet man als Trockensiedepunkt). Wird dieser Wert überschritten, droht ein Komplettausfall des Bremssystems. Daher ist die regelmäßige Überprüfung des Siedepunktes mit einem speziellen Testgerät sehr wichtig. Die Bremsflüssigkeit sollte mindestens ein Mal im Jahr kontrolliert werden und spätestens alle zwei Jahre gewechselt werden – auch hier kann es individuelle Abweichungen geben.

Die Bremsflüssigkeit selbst zu wechseln ist zwar sehr zeitaufwändig und eine „schmutzige Angelegenheit“, aber grundsätzlich möglich, wenn die geeigneten Geräte zur Verfügung stehen und sehr sorgfältig gearbeitet wird. Bitte beachten, dass Bremsenreiniger meist leicht entflammbar ist. Ungeübte sollten den tausch der Bremsflüssigkeit in einer Fachwerkstatt vornehmen lassen.

Bremsflüssigkeit austauschen in 5 Schritten:

  • 1. Geeignete Bremsflüssigkeit für das jeweilige Fahrzeug kaufen. Bremsflüssigkeit wird nach dem Siedepunkt klassifiziert – in den Fahrzeugunterlagen finden sich die entsprechenden Angaben zur benötigten Kategorie (bspw. DOT 3, DOT 4, DOT 5, DOT 5.1). Manchmal sind diese Angaben auch auf dem Deckel des Behälters vermerkt. Vor dem Öffnen den Behälter mit Bremsenreiniger-Spray säubern.
  • 2. Bremssystem an den Bremszylindern entleeren. Dafür muss das Fahrzeug angehoben und das jeweilige Rad entfernt werden. Beginnen Sie am entferntesten Punkt vom Bremspedal: hinten rechts, dann hinten links, vorne rechts und schließlich vorne links. Benötigtes Werkzeug: Auffangbehälter, Schraubenschlüssel, Bremsenreiniger und Gummischutzhandschuhe.
  • 3. Für das Ablassen der alten Bremsflüssigkeit wird i. d. R. eine spezielle Überdruckvorrichtung verwendet. Alternativ kommt auch eine Vakuumpumpe infrage, um die Flüssigkeit mittels Unterdruck zu entfernen. Beim Ablassen sollte eine weitere Person assistieren, die vorne das Bremspedal tritt. So werden die Ventile geöffnet und die alte Bremsflüssigkeit kann abfließen – den Vorgang für jedes Rad wiederholen.
  • 4. Nach dem Entfernen der alten Bremsflüssigkeit muss der Zylinder mit der neuen Flüssigkeit aufgefüllt werden. Füllen Sie den Behälter so lange auf, bis die Flüssigkeit, die aus jedem Bremszylinder kommt, klar ist und frei von Luftblasen. Während des Ablassens sollte sich immer (neue) Flüssigkeit im Ausgleichsbehälter befinden, damit keine Luft in das System gelangt – moderne Entlüftungsgeräte erledigen das automatisch.
  • 5. Wenn das Bremssystem aufgefüllt wurde, schließen Sie die Ventile und pumpen Sie 20 bis 30 Mal mit dem Bremspedal, um wieder Druck im Bremssystem aufzubauen. Während im Anschluss das Bremspedal feste getreten wird, sollte noch zwei, drei Male das Ventil kurz geöffnet werden, um die letzten Luftblasen aus dem System entweichen zu lassen.
  • 6. Zum Abschluss Bremszylinder reinigen und auf Dichtheit überprüfen. Testen Sie die Bremswirkung in sicherer Umgebung, bevor Sie Ihr Fahrzeug wieder wie gewohnt verwenden. Wenn nach dem Wechseln der Bremsflüssigkeit die Bremskontrollleuchte leuchtet, kann dies mit einem schnellen und festen Druck auf das Bremspedal beseitigt werden.

Wer hier noch unsicher ist oder Zeit sparen möchte, sollte den Tausch der Bremsflüssigkeit in der Werkstatt des Vertrauens vornehmen lassen.

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