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Klaus Kreutzer
Kreutzer Consulting GmbH

Klaus Kreutzer

Interview mit dem Elektromobilitätsexperten Klaus Kreutzer zur kommunalen E-Mobilitätsinfrastruktur

Das Unternehmen Kreutzer Consulting konzentriert sich schon seit einigen Jahren in seiner Beratungstätigkeit intensiv auf das Thema Elektromobilität. Bei der Firmengründung im Jahr 2009 war dem studierten Betriebswirt Kreutzer klar, dass er sich selbst auf dem "spannenden Feld" der zukunftsträchtigen Elektromobilität engagieren möchte. Seitdem hat das Unternehmen bereits viele Projekte erfolgreich realisiert, was Klaus Kreutzer auch über die Grenzen seiner Heimatstadt München einen Ruf als intimen Kenner der Branche eingebracht hat. Im Fokus der Arbeit von Kreutzer Consulting liegt vor allem die Entwicklung nachhaltiger Konzepte für Kommunen und Unternehmen – zu diesem Bereich hat emobilitätonline ihm auch ein paar Fragen gestellt.

 

eMobilitätOnline: Die Elektromobilität erfreut sich zunehmender medialer Präsenz. Haben Sie in Ihrem Arbeitsalltag in den letzten eins, zwei Jahren eine Zunahme der Aktivitäten verspürt in Form vermehrter Anfragen und Aufträge?

 

Klaus Kreutzer: Die Anfragen und Aufträge haben vor allem im letzten Jahr zugenommen und auch in 2012 verzeichnen wir nach wie vor ein hohes Interesse am Thema Elektromobilität. Trotzdem gibt es noch eine Menge Potenziale, die sich erst in den nächsten Jahren langsam entwickeln werden, wenn Elektrofahrzeuge und die nötige Infrastruktur zu einem sichtbaren Bestandteil der Gesellschaft werden. Dann werden auch die Nachzügler verstärkt Beratungsbedarf haben.

 

Welche Rolle spielen Kommunen und regionale Energieversorger bei der Entwicklung des Marktes für Elektroautos?

 

Kommunen haben die regionale Hoheit über den öffentlichen Raum. Man braucht sie, um öffentliche Ladesäulen zu installieren, Parkplätze umzuwidmen und Elektromobilität als Thema für die jeweilige Region zu setzen. Kommunen, und mit ihnen die kommunalen Energieversorger, sind unserer Meinung nach der optimale Inkubator zur Entwicklung des Themas. Es geht allerdings nicht darum, ein paar Ladesäulen aufzustellen und vielleicht selbst Fahrzeuge anzuschaffen. Die Kommunen müssen sich auch darüber hinaus engagieren und von Anfang an die Potenziale der lokalen Wirtschaft und auch der Privathaushalte heben. Das bedeutet, dass die Kommune mit Informationsveranstaltungen auf das Thema aufmerksam machen und als Koordinator dafür sorgen müssen, dass Unternehmen, für die der Einsatz von Elektrofahrzeugen sinnvoll ist, sich an einem regionalen Elektromobilitätskonzept beteiligen. Schließlich geht es auch darum, dass die lokale Wirtschaft entsprechende Dienstleistungen aufbaut und sich eine lokale Wertschöpfung entwickelt. Dazu gehören auch Verleihkonzepte, Car Sharing, Werkstattleistungen und vieles mehr. Was genau in der Kommune sinnvoll ist oder nicht, muss aber auf Basis der Situation vor Ort erst evaluiert werden.

 

Wenn wir konkret die beiden Akteure Kommunen und regionale Energieversorger betrachten: Wer forciert die Entwicklung des Marktes, die "gesellschaftliche" oder die "wirtschaftliche" Seite?

 

Im Moment ist es wohl eher die gesellschaftliche Seite. Elektromobilität ist ein wichtiges Thema in Politik und Medien. Deswegen beginnen viele Kommunen und Stadtwerke damit, Fahrzeuge anzuschaffen und erste Ladesäulen aufzustellen. An die wirtschaftlichen Aspekte glauben wohl die wenigsten, obwohl es durchaus auch finanziell interessant sein kann, Elektrofahrzeuge zu nutzen, selbst ohne Fördermittel. Allerdings sind das im Moment nur einige Spezialfälle. Für die meisten potenziellen Nutzer bedeuten Elektrofahrzeuge erst einmal Mehrkosten, die nur durch Marketing- und Imageeffekte aufgewogen werden können. Die wirtschaftliche Seite wird aber immer interessanter. Einerseits kommen im Luxussegment Fahrzeuge wie das Tesla Model S, die von den Anschaffungskosten kaum teurer sein werden als vergleichbare Oberklassefahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Diese sind dann unter Umständen vom ersten Tag an günstiger zu fahren. Zweitens entwickeln sich auch im Kleinwagensegment die Preise für Elektrofahrzeuge nach unten. Insbesondere interessant scheinen die Angebote von Renault oder Smart zu sein, wo die Batterie gemietet wird. Das reduziert den Preisabstand und minimiert auch das Risiko des Batterieverlustes.

 

Es werden verschiedene Konzepte zur Infrastrukturentwicklung und -nutzung der Elektromobilität diskutiert: Zeichnet sich nach Ihrer Beobachtung schon ein kleiner Trend hin zu einem bestimmten Konzept ab?

 

Die Kommunen, die sich derzeit mit Elektromobilitätskonzepten befassen, sind in der Regel noch im Teststadium. Da wird viel ausprobiert und entsprechend offen ist die  Entwicklung. Momentan ist es schwer, eine klare Richtung festzustellen. Andererseits kann man schon beobachten, dass es vielen kleineren Kommunen erstrangig darum geht, Präsenz zu zeigen, indem Sie einige Elektrofahrzeuge anschaffen und vielleicht auch eine Ladestation aufstellen. Größere Städte erwägen auch schon die Erprobung alternativer Nutzungskonzepte, z.B. Car-Sharing, Stadtteil-Lösungen usw. Ich verstehe meinen Auftrag so, die kommunale Infrastruktur vor Ort zu analysieren und Ansatzpunkte für den effektiven Einsatz der Elektromobilität zu finden. Daraus wird ein umfassendes Konzept erarbeitet, welches alle relevanten kommunalen Akteure, also die städtischen Betriebe, die Tourismuseinrichtungen, Lieferbetriebe u.v.m., mit einbezieht, denn nur so werden die Bemühungen erfolgreich sein. Die Kommune hat nach diesem Ansatz also eher eine Koordinationsfunktion: Sie muss für eine geeignete Infrastruktur sorgen und ansonsten vor allem Informieren, Vernetzen und Öffentlichkeitsarbeit leisten.

 

Welche Kommunen eignen sich besonders für die Schaffung einer regionalen Elektromobilitätsinfrastruktur – und welche vielleicht nicht? Werden ländliche Kommunen infrastrukturbedingt auch künftig weisse Flecken auf der Elektromobilitätslandkarte bilden?

 

Grundsätzlich kann man nicht sagen, dass es ungeeignete Kommunen gibt. Überall wo heute Autos fahren, kann und muss Elektromobilität künftig eine Rolle spielen. Es ist aber auf jeden Fall notwendig, die Situation vor Ort genau zu betrachten, um die optimale Strategie zu finden. Dabei geht es im Wesentlichen darum, das Mobilitätsverhalten der ansässigen Wirtschaftsbetriebe als auch der Einwohner zu untersuchen, um zu klären, ob der Einsatz von Elektrofahrzeugen sinnvoll ist. Darüber hinaus sollten insbesondere bei kleineren Kommunen auch Nachbargemeinden ins Boot geholt werden, um auch in einem größeren Radius Lademöglichkeiten oder Mobilitätsangebote zu etablieren. Immer sollte man darauf achten, die Wirtschaft und die Bürger im Vorfeld über die Pläne gut zu informieren, Vorbehalte abzubauen und alle Akteure zum Mitmachen zu bewegen. Wenn das gelingt, kann auch der kleinste Ort erfolgreich eine sinnvoll dimensionierte Elektromobilitätsinfrastruktur aufbauen.

 

Zum Schluß eine persönliche Frage: Fahren Sie selbst ein Elektroauto?

 

Da ich fast ausschließlich längere Strecken mit dem Auto fahre, käme ein Elektrofahrzeug höchstens als Zweitwagen in Frage. Weil wir in unserer Familie aber mit einem Auto gut auskommen, würde es wenig Sinn machen, ein zweites Fahrzeug anzuschaffen. Wenn die nächste Kaufentscheidung ansteht, werde ich auf jeden Fall Elektrofahrzeuge in die engere Wahl nehmen.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Weitere Informationen zur kommunalen Infrastrukturentwicklung und zu Kreutzer Consulting finden Sie auf der Unternehmenswebseite: www.kreutzer-consulting.de

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